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schall und wahn II

Geht es mir gut oder schlecht?

Ich bringe kein Wort heraus.
Meine Finger sind taub.

Geht es mir gut oder schlecht?
Ich weiß es nicht.

Was bisher geschah:
Farewell zum schönen Prestige-Studium. Und dann im Oktober ein neuer Versuch.
Ein kleiner Job. Ein bisschen Verdrängung. Ja gut, ein bisschen viel.
Plötzliche Flashbacks und Tränenausbrüche.

Alles wie gehabt?
Ich weiß es nicht.

Schall und Wahn

Wohin ich auch gehe. ich hinterlasse nur Schutt und Asche.
Ich bin nur Schall und Wahn.
Ich bin doch ganz mein Vater.

nicht.jetzt.

Wieder erwache ich in der Nacht. Wieder aus einem Traum. Wieder konnte mein Vater sich nicht beherrschen. Wieder erwache ich in dem Moment, als er vor mir steht und ich schreie.
Zittern. Nicht bewegen. Wenn du dich bewegst, erkennt er, dass du nicht schläfst. Kommt er zu dir.
Und dann: nicht jetzt. Es ist nicht jetzt. Um mich zu überzeugen greife ich vorsichtig um mich. Ja. Das ist mein Bett. Ich nehme meinen Mut zusammen, drehe mich um, schalte das Licht ein. Atme durch.

Nicht jetzt.

Hintertüren

1000 Türen hast du in mich eingebaut. Türen, durch die du dir jederzeit freien Zutritt verschaffen kannst. Wann und wo du es verlangst.
Bedrängend im Innern. Ich stürze nur in Depression und Selbsthass. Damit mehr Platz für dich bleiben wird.
Und überall, auf meiner Reise spüre ich deine Gegenwart – zu Besuch bei meiner Schwester spüre ich dich in meiner Angst, zu sprechen, spüre dich im glühenden Hass gegen meine Mutter.  Hass, der gegen dich gerichtet sein sollte, sagen sie mir.
Aber ich kann dich nicht hassen. Dich, meinen Vater, der mich all die Jahre in seiner Hand hatte, über mich frei verfügen konnte.
Und du, der du damals Tür für Tür in mich eingebaut hast…

Festung der Einsamkeit

Es ist nicht so, dass ich still stehe, nur weil ich schweige.
Es ist nicht so, dass ich dich verlassen, nur weil ich dich nicht mehr liebe.

Es ist so, dass mir mein Herz abhanden kam und ich nun alleine stehe.
Es ist so, dass ich zu leben versuche, aber ohne dich.

Durch all die Beschmutzung hindurch.

Ein Jahr dauerte es, bis ich es wagte, zu erkennen, dass mich mein Vater nicht geliebt hat.  Meine Fessel an ihn, an den Kontakt mit ihm, an mein Mitleid, an meine Sehnsucht. Ja, die Sehnsucht nach Erstarrung in der Gewalt, der hoffnungslosen Gewalt, die mich stumm und taub werden ließ.

Und doch; im 2- wöchigen Rhythmus sitze ich noch immer in diesem Zimmer und spreche über meinen Verlust. Nicht, weil er es so wollte. Sondern weil ich es so möchte. Weil mir der klärende Gegenpol der Objektivität zumindest kurzzeitig erlaubt, meine Festung der Einsamkeit zu verlassen.

Aber du, du bist immer in meinen Gedanken, in meinen Träumen. Und das weißt du natürlich. Warum sonst versuchst du nicht mehr, mich zu erreichen? Warum schwankst du sonst in deinen Nachrichten nicht mehr zwischen Mitleid, Gewalt, Erpressung?
Weil du weißt, dass mir erst jetzt deine Perversion in den Augen blenden muss.

rembember me

Es war mal alles so einfach. Einfach kompliziert. Jetzt ist es nur noch kompliziert kompliziert.

Früher. Als einfach alles ignoriert wurde. Einfach ignorieren. Als es da keinen Schimmer der Erinnerung gab. Es schien auch nicht mal abnormal zu sein. Meine Freunde sagten: ich weiß noch, wie ich mit 6 war, ich weiß noch dieses und jenes. Aber als ich mir erlaubte, zu entgegnen, dass ich keine Erinnerungen an die Kindheit habe, reagierten sie nicht darauf. Es wurde nie darauf reagiert, es wurde immer ignoriert, sogar noch in der Pdychiatrie, damals. Also konnte das ja nicht verrückt sein. Und was die Zeitbrüche anging? Die ließen sich wunderbar verleumden. Ich weiß noch, in der Jugendzeit, als ich auf pornigraphischen Seiten im Internet aufwachte, auf denen ich mit Männern gechattet haben musste, die von mir ‘Dinge’ verlangten … oder sich für diese bedankten, sich bei mir einschmeichelten. Ich weiß noch, wie ich auf er Terasse rauchend erwachte. Wie mich meine Oma dabei erwischte und ich sie anflehte, meinen Eltern nichts davon zu sagen. Wie oft habe ich mein Zimmer aufgeräumt, nach einem Wutanfall, den ich davor gehabt haben muss? Wie oft habe ich verkohlte Zettelreste aus meinen Blumentöpfen geholt? Wie oft habe ich meine Tasche ausgepackt, die fertig bereitet war, um fort zu gehen?

Es ist so schwer, dass dieses Bild zerstört werden muss, soll. Ich war immer komisch, hielt mich ja immer für anders, für verrückt, manchmal. Aber wenigstens dachte ich, in einem normalen Haus aufgewachsen zu sein. Es ist so schmerzhaft, diese Illusion zerstört und in Scherben vor mir zu sehen, und dabei noch zu glauben.

auf die Schliche gekommen …

Ich schleiche um meinen Blog. So, wie ich es auch im Leben mit den wirklich wichtigen Dingen tu.
Ich sage meinen nächsten Termin in der Therapie ab und schiebe die viele Arbeit vor, die ich momentan habe.
Nur um zu verschleiern, dass ich es eigentlich gar nicht kann – dort sitzen, die alten Rituale pflegen. Eben weil ich diesmal wüsste, dass sie das letzte mal stattfinden würden. Weil ich allein bei dem Gedanken schon weinen muss, und weiß, dass ich es tun würde, auch dort, wenn er mir einen Tee anbietet, mir die Hand reicht, mir in die Augen blickt …
Und doch würde ich schweigen. Ich würde mit ihm sprechen, und gleichermaße schweigen, verschweigen, dass dies das letzte mal wäre…
dass ich allein sein werde …

Es sind nur die Konsequenzen, die ich mich zu ziehen gezwungen sehe, nach seinen Worten und Handlungen. Nachdem er mich zwang, mich von der Überzeugung von Vaters Liebe zu trennen, brauchte ich 1 Jahr. Und nun, ja nun endlich habe ich verstanden, dass die Trennung von der Liebe meines Vaters auch eine Trennung von ihm bedeutet.

Aber während ich noch zweifle, denke, und aufschiebe, so lange bleibt uns noch Zeit. Mir, und ihm. Wenn auch nur in Gedanken.

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